Dienstag, 20. August 2019

Zombie-Kneipen, zentral gezapft

MUSEUM OF MODERN MEDIA, immer dieselbe Frage.
Karikatur: Karlheinz Stannies
„Wir werden bald zentralisieren“, schockte der Wirt unseren Stammtisch. „Wir wollen uns mit anderen Lokalen zusammentun“, sagte er. Wegen des Kneipensterbens. „Das Bier für alle kommt künftig zentral gezapft vom Dorfkrug“. Wir schauten ihn groß an; der ist doch drei Stadtteile entfernt. „Okay, wir wissen noch nicht, welche Biersorte dann kommt. Und es wird unterwegs natürlich ein wenig schal werden. Aber hey, weil es dann überall gleich schmeckt, merkt ihr das gar nicht. Wir vor Ort blasen nur noch Schaum drauf. Wegen der Optik.“

Wir waren empört. Dass Verlage ihre Marken kaputt sparen und auf Traditionen pfeifen – geschenkt. Ältere erinnerten sich noch an die ruhmreiche stolze Westdeutsche Allgemeine Zeitung. Die läuft dank Zentralredaktionen längst selbst in eigenen Texten nur noch als „Zeitung der Funke-Mediengruppe“. Viele gestandene Titel fristen ihre Identität inzwischen

Mittwoch, 19. Juni 2019

Journalisten-Ethos: Flachratten, hemmungslos

Faktencheck im Medienhaus
Karikatur: Karlheinz Stannies
Als Paul an den Stammtisch schlurfte, hatten die meisten schon reichlich Vorsprung auf den Deckeln. „Sorry“, stöhnte er, „aber ihr wisst ja“. Jepp. Seine Redaktion war seit langem chronisch unterbesetzt. Und welcher Journalist schaltet schon den Computer aus, wenn noch nicht alles fertig ist? Das wussten leider auch die Chefs – und nutzten es hemmungslos aus.

„Für die“, giftete Paul. „sind wir nur Flachratten. Die wollen – wie bei Handy oder Netflix – nur pauschal möglichst wenig zahlen, aber wir sollen Flatrate malochen.“ Helga witzelte: „Das Sonderangebot für Medien-Manager – 1a Journalisten, zum Mini-Tarif, und zwar nicht nur im ersten Jahr, aber inklusive Print-Flatrate, Online-Flatrate, Zusatzaufgaben-Flatrate.“ Home-Office, nachts, Wochenende, Feiertage – wir warfen weitere Stichworte ein.

„Da gibt’s doch jetzt dieses EU-Urteil“,

Dienstag, 14. Mai 2019

Facebook? Twitter? Journalisten-Plattform!

Professor Doktor (soviel Zeit muss sein) Frank Überall ist Bundesvorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV, 35.000 Mitglieder). Der promovierte Sozialwissenschaftler ist zudem Professor an der HMKW Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft (Köln, Berlin, Frankfurt/Main). Frank möchte, erstmal exklusiv bei Charly & Friends, eine Idee vorstellen, die ihm schon einige Zeit durch den Kopf geht: eine "Journalisten-Plattform" oder ein "DJV-Netz", auf dem - wie bei Facebook oder Twitter - munter diskutiert und veröffentlicht werden kann und auf das (nicht nur!) Öffentlich-Rechtliche aufspringen. Franks Gastbeitrag, proudly presented:

Regt eine Journalisten-Plattform an: DJV-Vorsitzender Frank Überall
Foto: Werner Siess HMKW
Von FRANK ÜBERALL

Diskutieren Sie mit uns weiter bei facebook“, heißt es nach der einen Sendung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, und bei der anderen wird dazu aufgefordert: „Folgen Sie uns bei twitter!“ Jan Böhmermann erschafft sogar jede Woche in seinem „Neo Magazin Royale“ einen kurzweiligen „Hashtag der Woche“, auf dass doch bitteschön alle folgsam sein mögen. Ein prima Modell – zumindest für die US-amerikanischen Unternehmen, die auf diese Weise kostenlose Reklame bekommen.

Und nicht nur das: Ihnen werden die Nutzerinnen und Nutzer zugetrieben, die – wenn es ganz schlimm kommt – zum Ursprungsprodukt „Öffentlich-Rechtliches Fernsehen“ gar nicht mehr zurückkommen.

Eigentlich müsste man jetzt eine eigene Plattform gründen. „DJV-Netz“ oder „Journalisten-Plattform“ zum Beispiel. Als genossenschaftliches Modell von Journalistinnen und Journalisten, mit Bezahlmodell für exklusive Stories.

Und wenn damit genug Nutzer registriert sind,

Dienstag, 16. April 2019

Express-Drehung

Erben am Werk
Karikatur: Karlheinz Stannies
„Erleben wir da gerade den Untergang einer Dynastie?“ fragte Bernie. Der Stammtisch ahnte sofort, wen er meinte: „Die DuMonts möchten nicht mehr Verleger spielen. Sie wollen ihre Regionalzeitungen verkaufen. Weil es sich nicht mehr lohnt.“ Claudia, stets kritisch, winkte ab: „Nee, die geben auf, weil sie keine Lösungen und Ideen haben.“ Egal wie, Köln ohne DuMont-Blätter, das ist wie Karneval ohne Kamelle. „Auf dem Melaten-Friedhof, wo der alte Patriarch Alfred Neven DuMont liegt, sollen deutliche Rotationsgeräusche zu hören sein“, schmunzelte Klaus. „Ist ja auch mit Express-Drehung“, kicherte Tanja.

„Meint ihr, jemand kauft heute noch Zeitungen?“ fragte Harry. Wir nippten am Getränk. Wogen auf der „Wirklichkeit der Märkte“, die die DuMont-Erben beschworen, die Rendite gegen das Gejammer ab. „Für kleines Geld, ja“, wagte Martina eine Prognose. „Das rechnet sich für einen Medienkonzern durch Synergie und Personalabbau.“ Zur Not braucht man ja heute gar keine Leute mehr, um eine Zeitung herauszubringen.

Der Geist der Westfälischen Rundschau wehte über den Stammtisch. Wir prosteten ihm zu. Und bestellten gleich die nächste Runde Kurze – wegen des neuesten Essener Kahlschlags.

Sonntag, 3. März 2019

Mit Edelfedern gekitzelt

User first … was denn sonst? Medien-Manager präsentieren ihren
Mitarbeitern stets die Rechnung dafür. Karikatur: Karlheinz Stannies
Jauch zog die Augenbraue hoch. „Sie wollen wirklich bei Antwort B bleiben?“ fragte er den Verlagsmanager. Die Frage lautete: Wie steigern Sie die Qualität eines Mediums? Und Möglichkeit B war: Durch Personalabbau. „Alle meine Kollegen sagen das immer wieder“, grinste der Kandidat. Noch nicht ahnend, dass er die 500-Euro-Frage versaut hatte.

„Umschalten“, riefen wir dem Wirt zu. Der zappte zum nächsten Sender und gab uns dann lieber gleich die Fernbedienung für den Fernseher oben in der Kneipenecke.

Zapp. Der Nachrichtenkanal informierte über den Klimawandel: