Samstag, 10. November 2018

Königsdisziplin Lokales (I)

Karikatur: Karlheinz Stannies

Das Lokale ist die Königsdisziplin im Journalismus. Ein Spruch, den man nicht nur in Sonntagsreden hört. Und er ist sicher richtig, trotz aller Desks und Zentralredaktionen. Beim Wühlen im Keller fand ich kürzlich diese Bilderfolge und ein paar andere zum Thema Lokalredaktion. Sie entstanden im Jahr 1977... (Jesses, wie lange ich schon zu zeichnen versuche!)


Leistungsschutz: Chapeau und Schampus

In der eleganten Lounge des Luxushotels ließen die Verleger stundenlang die Korken knallen. „Ja, das mit dem Leistungsschutzrecht für Verlage haben unsere Lobbyisten, diese Teufelskerle, nun auch in Europa prima hingekriegt“, sprudelte der Präsident über. „Chapeau“, verneigte sich ein begeisterter Bayer theatralisch. „Schampus, mehr Schampus“, orderte ein Oberfranke.

Nur an wenigen nagten Zweifel. „Was ist, wenn Google uns – wie angedroht – einfach nicht mehr listet in den Nachrichten-Zusammenstellungen? Dann zahlen die nix und unsere ganze Reichweite im Netz geht flöten“, wagte einer zu fragen. „Das mit den Kostenlos-Lizenzen, wie wir sie Google hier in Deutschland einräumen mussten, können wir schließlich nicht überall und ewig machen.“

Der Präsident winkte ab. „Ruhig Blut“, sagte er. „Nächstes Jahr sind wichtige Europawahlen. Vorher fressen uns die Politiker aus den Händen. Wenn Google zickt, lassen wir sie einfach beschließen, dass uns Google zwangsweise auflisten muss. Natürlich bezahlt. Weil Zeitungen systemrelevant sind.“

Au ja, relevant. Das Zauberwort ließ die Euphorie wie eine La-Ola-Welle durch den Raum schwappen. „Re-le-vant, re-le-vant“ – die ganze Verleger-Gesellschaft zog skandierend um Tische und Stühle, schwenke dicke Flaschen und schlanke Gläser. Hatte der Bundeswirtschaftsminister ihnen beim Zeitungskongress nicht gerade versprochen: Wir tun alles für Euer Überleben in schwierigen Zeiten?

„Hauptsache, das Geld fließt in Strömen“, wünschten sich die Kölschen. Sie brauchten gerade 16 Milliönchen für das Kartellamt. Wegen früherer Gebietsabsprachen. Dem Verleger-Klüngel waren damals sogar Lokalredaktionen zum Opfer gefallen. Die Revierfürsten stichelten gegen die rheinischen Gutsherren: „Jungs, Geheimverträge in der Schweiz, Behörden und sogar Gerichte ausgetrickst – da hatten Eure damaligen Honoratioren aber ganz schön kriminelle Energie.“ Sie hatten gut spotten. Sie waren nie erwischt worden.

Aber man hielt ja zusammen. Die Revierfürsten machten den Kölschen Mut: „Da ist bei euch mal eine Absprache aufgekippt – ist doch kein Grund zum Jammern. So was spart man doch mit neuen Gesellschaften und Zentralredaktionen locker wieder raus.“ Wie aufs Stichwort riefen die Hannoveraner rüber: „Hey! Trinken wir noch einen Madsacker? Auf die Berliner?“

Freitag, 24. August 2018

Das ist hier die Frage...

Fremdwort...? / Karikatur: Karlheinz Stannies
„War das nicht großartig“, fragte Hans rhetorisch, und der Stammtisch nickte begeistert. Die lokalen Freien der Eßlinger Zeitung hatten gemeinsam gestreikt. Und nicht nur kurz. Zwei Wochen lang. Der Manager versuchte noch, per Riesenanzeige andere Freie zu finden: „Je flexibler desto besser“. Aber auf die Schnelle gibt’s halt nirgendwo Ersatz für so viele erfahrene Freie, die sich vor Ort auskennen. Also trug die Einigkeit süße Früchte: Der Verlag erhöhte die Honorare.

Praktizierte Solidarität unter Freien. Obwohl die doch meist die abhängigsten und erpressbarsten Journalisten unter der Sonne sind. Freiwild aus Gutsherren-Sicht. „Für mich ein Wunder“, schwärmte Annette, „möglich nur, weil alle sich einig waren.“ Wir hätten nie gedacht, dass altgedienten Haudegen Tränen in den Augen stehen. Einige von uns wischten sie verschämt weg. Andere ließen sie gerührt kullern.

„Und dann war da noch“, schwappte Petra weiter auf unserer Euphoriewelle, „der Bursche von Trumps Lieblingssender Fox News. Der Präsident hatte keine Fragen von NBC und CNN zugelassen, das seien Lügen-Produzenten. In seiner Sendung später nahm der Fox-Mann die Kollegen in Schutz: Die seien keine Fake-News-Sender, das sei unfair von Trump gewesen.“ Renate meinte: „Mich hat beeindruckt, was auf dieser Pressekonferenz in Brandenburg passiert ist. Die AfD warf einen Zeitungsmann raus, weil der kritisch berichtet hatte. Daraufhin sind dann alle demonstrativ rausgegangen – und die Braunen saßen bedröppelt da.“

Jepp, so muss das laufen: Wir müssen mehr zusammenhalten, uns wehren. „Auch gegen unsere Arbeitgeber“, lachte Sabine. Die Zeitungsmanager wollten in der Tarifrunde mal wieder so richtig spottbillig davon kommen. „Aber die Streiks haben sie zur Räson gebracht – höhere Gehälter und Honorare, Flächentarif und Manteltarif verlängert, Onliner in die Presseversorgung.“ Wir waren uns einig: Das klappte nur, weil sich mehr Leute gewehrt haben, als bei einer Gehaltsrunde zu erwarten war.

„Widerstand geleistet haben auch die Kolleginnen und Kollegen von der Rheinischen Redaktionsgemeinschaft in Köln“, erinnerte uns Klaus an noch ein Erfolgserlebnis. Zwei Verlage hatten ihre Lokalredaktionen zusammengelegt und die neue aus dem Tarif gekegelt. „Die RRG-Leute wollten das nicht hinnehmen, auch mit Blick auf die künftigen neuen Leute. Damit die nicht tariflos sind. Sie kämpften und streikten – und bekommen jetzt wohl einen umfassenden Haustarif. Jedenfalls ist das der Vorschlag der eingeschalteten Landesschlichterin.“ Wir drückten die Daumen. Wenn's klappt: ein Paradebeispiel und Hoffnungsschimmer für andere Tariflose.

Wir blickten selig träumend vor uns hin. Bis uns Penny, unser Küken, wieder erdete.
„Solidarität?“ schnaubte sie: „Halten doch alle für hoffnungslos altmodisch...“ Wir überlegten kurz. Dachten an Digitalisierung und Spar-Diktate, an unbedachte Zentralisierung und Populismus, Fake News und rechte Attacken und Todeslisten. Manni sagte: „Nein, in solchen Zeiten bin ich eigentlich sicher, dass für die Zukunft des Journalismus und unserer Jobs vor allem eines entscheidend ist: Gehen wir die Probleme als Einzelkämpfer an, jeder für sich. Oder doch lieber als Kolleginnen und Kollegen, die zusammenhalten. Solo oder Solidarität.“ Ja, das ist hier die Frage.


Montag, 20. August 2018

Mach' uns Spaß, Borussia!

Zwischendurch mal wieder etwas Fußball. Heute geht's für den BVB los im Pokal, in ein paar Tagen startet die erste Bundesliga. Ob Borussia mit wieder einmal neuem Trainer den erneuten Neustart schafft? Ich bin gespannt - und gewillt, geduldig zu sein. Für mich ist sowieso eigentlich die Hauptsache, dass die Jungs kämpfen und dass es wie früher rauf und runter geht bei Borussia. Sprich: Spaßfußball, keine 90-Minuten-Verwaltung. Und sei sie erfolgreich. 5:4-Siege (und selbst 4:4-Unentschieden) sind mit lieber als ein gelangweilter 1:0-Sieg ohne Mitfiebern. In diesem Sinne: Mach' uns Spaß, Borussia!


Bevor Sie fragen: Ja, das sind der Original-Pott und die Original-Schale.
Damals, als der BVB beide hatte, durfte ich damit posieren.

UPDATE: Wat'n Krimi im Fürth! Spektakel BVB, so muss das...