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| Ralf Heimann Einer seiner Tweets löste übrigens 2010 den Blumenkübel-Hype aus |
Von RALF HEIMANN
Am Freitag wollte eine alte Freundin übers Wochenende zu Besuch kommen. Das wären zwei schöne Tage geworden. Ich hatte mich sehr darauf gefreut. Aber dann kam am Freitagnachmittag eine SMS. Sie schrieb, sie müsse leider absagen. Ihr Zug sei ausgefallen. Der blöde Bahnstreik.
Weil die Lokführer mehr Geld haben wollen, geht mein schönes Wochenende flöten. Das war so ungefähr mein erster Gedanke. Ich habe mich über die Lokführer geärgert. Das war am Freitag. Mit etwas Abstand denke ich: Vielleicht ja ganz gut, wenn wenigstens ein paar Berufsgruppen so gut organisiert sind, dass sie hin und wieder mal was fordern können. Wir Journalisten kriegen so was ja nicht hin.
Wenn Journalisten streiken, sieht man abends in den Nachrichten ein kleines Grüppchen mit Trillerpfeifen und bunten Plakaten in der Fußgängerzone stehen. Die Grüppchen sind mit den Jahren immer kleiner geworden. Und wenn die Gewerkschaftsbosse dann am Ende ein paar Prozent für alle rausgeholt haben, können sich darüber auch nur die freuen, die das Glück haben, in einem Verlag zu arbeiten, der so nett ist, sich weiterhin an die Tarifabsprache zu halten.
Alle anderen zucken zwei Mal mit den Achseln und setzen dann ihre Arbeit fort, denn was soll man schon machen? Wenn sie keine Tarifverträge mehr zahlen wollen, dann ist das eben so. In dieser Situation noch Ärger machen, kann ja auch gefährlich sein. Nachher ist man seinen Job los. Und das will man ja auch nicht.
Ich selbst habe sieben Jahre lang in einer Redaktion gearbeitet, in der es weder einen Tarifvertrag gab noch einen Betriebsrat. Wir haben öfter darüber nachgedacht, einen Betriebsrat zu gründen. Aber letztlich scheiterte es doch immer an der Frage: Was bringt das schon?
Eine Rolle gespielt hat natürlich auch Angst. Durch den Verlag waberte das Gerücht, der Verleger könne Betriebsräte so wenig ausstehen, dass jeder, der die Tollkühnheit besitzt, sich wählen zu lassen, auf Dauer mit erheblichen Nachteilen rechnen müsse. Andererseits hatten andere Abteilungen längst Betriebsräte, und die konnten das so nicht bestätigen. Es gab sogar Leute, die das Unternehmen verlassen hatten und später wieder eingestellt worden waren. Trotz ihrer Mitgliedschaft im Betriebsrat.
Im Nachhinein frage ich mich, woher diese vorauseilende Angst kam. Und ich frage mich, ob Angst wirklich der einzige Grund dafür ist, dass Journalisten sich so ungeschickt anstellen, wenn es darum geht, die eigenen Interessen durchzusetzen.
Vielleicht liegt es ja auch daran,




