Samstag, 19. Oktober 2013

Die HoffPo

Kürzlich hockte ich müde vor der Tastatur; mir fiel mal wieder kein vernünftiger Blog-Beitrag ein. Wie soll man da jemals viele Leser finden, geschweige denn etwas verdienen? Die Gedanken gingen auf Streife. Meine weltweit verfügbaren Blog-Beiträge werden kaum gelesen, sagen mir die Statistiken. Im Schnitt zwischen 20 und 80 Mal, nur wenn Fußball (BVB, Bayern) dabei ist auch öfter. Bei Tarifpolitik eher weniger.

Das konnte ich nicht länger hinnehmen. Wovon träumt jeder Blogger? Von den fünf R-Dingen: Reichweite! Relevanz! Reichtum! Ruhm und Rehre! Also habe ich mich zusammengerissen und einen echt guten Beitrag für die Blogs der Huffington Post geschrieben. Ich wußte: Die Arianna bezahlt Bloggern nichts, jedenfalls kein Geld. Sie "zahlt" nur mit Aufmerksamkeit. Jene Klick-Währung im Internet, die alle geil und gaga macht – von der aber nur die Allerwenigsten wirklich profitieren. Aber ich wollte sie.


Als Gewerkschafter schämte ich mich natürlich ein wenig. Neuer Autor, neuer Text, alles für lau: Die HuffPo profitiert davon sofort, der Schreiber nur vielleicht. Irgendwie. Irgendwann. Wenn er gaaaanz fest daran glaubt. Der Digitalnutzer in mir zuckte schließlich mit den Schultern: so what?! Das Netz ist wie der Papst – für Gläubige unfehlbar..

Und es klappte wirklich vorzüglich. Mein Text in der HuffPo wurde tausendfach gelesen. Die Kommentatoren waren, bis auf die üblichen Meckerer und Trolle, begeistert. In der Folge gingen bei meinem Blog die Klickzahlen durch die Decke. Kurz darauf riefen die ersten Firmen an und bettelten darum, in meinem Blog werben zu dürfen. Andere Blogger färbten ihre Webseiten schon neidisch-grün. Das stand mal fest: Der Beitrag in der HuffPo würde mich berühmt, reich und unabhängig machen. Apple und Microsoft liefert sich gerade ein erbittertes Überbiete-Duell...

… da stuppste Klaus mich an: „Schlaf nicht!“ Ich zuckte hoch, öffnete die Augen. „Verdienst Du schon? Oder postest Du noch Huff?“, kalauerte er grinsend. Und ich schämte mich schon wieder ein wenig.

Mittwoch, 16. Oktober 2013

Funke und Springer: Sie machen Geschäfte, und sie machen Lokalteile kaputt

Eine Zeitlang schien es so, als könne der durch dutzendfache Redaktionsschließungen und Stellenabbau im großen Stil "verbrannte" Name Funke-Mediengruppe auch mal positiv punkten: Durch den geplanten Kauf von traditionsreichen Zeitungen sowie Frauen- und Programmzeitschriften von Springer (für 920 gepumpte Millionen Euro) konnten sich die Essener als "Retter von Print" vermarkten. Der Image-Aufschwung hielt nicht lange.

Karikatur: Karlheinz Stannies
Die WAZ-Axt der Funke-Mediengruppe schlägt nämlich wieder zu. In Dorsten sowie in Lüdenscheid/Halver und in Altena/Werdohl/Plettenberg werden Lokalredaktionen geschlossen - und in Castrop-Rauxel entsteht eine neue Mogelpackung. So wie beim Zombie-Blatt Westfälische Rundschau liefert dort ab November der Konkurrent Ruhr Nachrichten das Lokale. Der Mantel kommt vom zentralen "Desk" in Essen.

Der DJV NRW kritisiert, das sei erneut ein "deutlicher Verlust von Medien- und Meinungsvielfalt in der Region". Auf der Webseite hier fragt Landesvorsitzender Frank Stach: "Ausgerechnet dem Medienkonzern, der sich erst kürzlich mit dem Zukauf von Springer-Produkten zum Retter von Print erkoren hat, fällt außer Mogelpackungen und Redaktionsschließungen nichts Kreativeres ein?" Das lasse nichts Gutes ahnen für die 900 neuen Kolleginnen und Kollegen aus Berlin und Hamburg, die 2014 zum Konzern dazu stoßen sollen.

Karikatur: Karlheinz Stannies
Zur Behauptung der Mediengruppe, man erhalte die Titel- und Medienvielfalt vor Ort und informiere die Leser weiterhin über das Geschehen vor ihrer Haustür, sagt Stach nur: "Das ist Zynismus pur!"

Auch bei BILD geht es der lokalen und regionalen Berichterstattung an den Kragen. "Die Abrissbirne kreist", klagte der Berliner Betriebsrat Anfang Oktober in einer Mitarbeiter-Information. "Es geht um einen Kahlschlag, wie es ihn bei Axel Springer und der roten Gruppe noch nie gab!"

Auch die BILD-Redaktionen in NRW sind betroffen.

Dienstag, 8. Oktober 2013

Glücksräder für nix, nada und niente

In Essen - vor dem Leserladen. Foto: DJV NRW/Andreas Becker
Am Tag vor der nächste Verhandlungsrunde haben über 100 Journalistinnen und Journalisten am Dienstag (8. Oktober) in Essen und Bielefeld gegen den Plan der Zeitungsverleger protestiert, den Flächentarif für Redakteurinnen und Redakteure an Tageszeitungen durch einen Flickenteppich zu ersetzen: Die Kaufkraft-Statistik soll aus BDZV-Sicht entscheiden, wer wo wieviel verdienen darf. Sprich: zwischen Nordsee und Alpen - überall anders, und überwiegend drohen Nullrunden. Eines scheint den Verlegern dabei völlig egal: Die Qualität der journalistischen Arbeit, die ja überall hoch sein soll - und deshalb auch überall gleich viel wert sein müsste.

Mit Glücksrädern vom DJV NRW machten die Protestler auf die Abstrusität der Verleger-Idee aufmerksam.

Warnhinweise, jetzt auch für Politiker Pflicht

Merkel-Foto: Armin Linnartz CC BY-SA 3.0 DE
Nach den vergrößerten und mit Ekel-Fotos versehenen Hinweisen auf Zigarettenschachteln (siehe unten den Schlimmer-als-erwartet-Tweet von @Pisepampell Monika Bassani) muss das Warn-Prinzip konsequent weiterverfolgt werden.


Freitag, 4. Oktober 2013

Gauck machte Verlegern keine Freude

Ganz aktuell: die Gauck-Postkarte des DJV (Infos dazu auch hier)

Das war starker Tobak. Bundespräsident Joachim Gauck durfte auf der Jahrestagung des BDZV sprechen - und dabei las der Mann, der mit einer Journalistin lebt, den Zeitungsverlegern ganz ungeniert die Leviten. Der DJV machte aus einem Gauck-Satz jetzt (übrigens in Absprache mit dem Bundespräsidialamt) eine Protest-Postkarte und ein Plakat für die laufende Tarifrunde: "Der Zeit- und Kostendruck in den Redaktionen lässt immer weniger Spielraum für aufwendigen oder investigativen Journalismus." Viele Journalisten "würden gern gründlicher recherchieren, öfter nachfragen und präziser texten. Sie sträuben sich dagegen, Masse statt Klasse zu produzieren."

Jau, da hat er leider Recht, der Herr Bundespräsident.

In seiner Rede hat Gauck sehr deutlich geklagt: "Überall lässt sich beobachten, wie feste Stellen in den Redaktionen verschwinden, wie freie Mitarbeiter für Zeilenhonorare schuften, wie Volontäre als Redakteure arbeiten, aber Azubilöhne verdienen. Prekäre Arbeit ist keine stabile Basis für verlässliche Inhalte." Der DJV schreibt seinen Slogan drunter: Qualitätsjournalismus ist mehr wert! Gaucks Fazit an dieser Stelle: "Personelle Auszehrung schlägt früher oder später auf die Qualität durch. Und die Leser merken das." Langfristig sei eine solide Personalausstattung in den Redaktionen "inhaltlich wie ökonomisch sinnvoll."

Tja, aus präsidialem Munde gehört haben es die Zeitungsverleger. Aber ob sie es verstanden haben? Geschweige denn beherzigen...

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Übrigens: Die vollständige Rede des Staatsoberhaupts kann man u.a. hier nachlesen.