Sonntag, 31. August 2014

Mogelpackungen

"Also, ich blicke nicht mehr durch“, stöhnte Werner, mein Kioskchef umme Ecke. „Nirgendwo ist mehr drin, was drauf steht.“ Vorhin, erzählte er, kam einer und schnappte sich die NRZ. „Der Bursche nahm den Lokalteil raus und fummelte den dann einfach in die RP hinein. Dann sagte er: So, jetzt kaufe ich die RP.“

Werner war geschockt und fragte natürlich, was das soll. Die Antwort verwirrte ihn völlig: „Der sagte: Also, ich finde die RP besser als die NRZ. Aber die NRZ kriegt den Lokalteil der RP. Und den dürfen die NRZ-Redakteure dann noch aufmotzen. Die nehmen die besten lokalen Geschichten aus der RP und schreiben dann noch eigene dazu. Die Verlagschefs haben zwar gesagt, dass die NRZ mit der NRZ ohne so viele Redakteure vor Ort eigentlich das Beste wäre. Aber die RP mit der NRZ, die eine aufgemotzte RP ist, ist noch besser.“

Werner kippte einen Magenbitter. „Verstehst Du das? Das sind doch dann alles Mogelpackungen, ohne durchgehendes Profil, Sodom und Gomorrha!“

Ich versuchte, ihn zu trösten. „Den Trick mit zusammengekauften Inhalten von früheren Konkurrenten, wie damals bei der WR, finden viele Verlagschefs halt toll. Auch die WZ wird jetzt 'ne Wundertüte. Und in Münster oder Köln sind weitere Mogeleien geplant, sogar in Castrop-Rauxel. Alles der Vielfalt wegen.“

Oma Trude kam dazwischen, warf einen Euro auf die Theke. „Ich hätte gern außenrum die Süddeutsche und drinnen den Lokalteil der NRZ Essen, solange er noch von der NRZ ist, dazu die Wirtschaft von der WELT, die Wochenendbeilage der Westfalenpost und den Sportteil der BILD.“ Werner warf sich weinend hinter den Zeitungsständer.



Samstag, 16. August 2014

Totes Holz, totes Holz

Spaziergänge im Blätterwald machen zur Zeit wenig Spaß. Klaus fluchte: „Ruhe? Pah! Immer wieder schlagen Äxte einzelne Lokaläste ab. Inzwischen legen die sogar ganze Zeitungsbäume flach. Da kannste Dich noch so ins Zeug legen.“
 
Katie knirschte mit den Zähnen: „Und überall schleichen diese gierigen Forstberater um die Bäume und wollen an ihnen schütteln, bis noch mehr aus den Nestern fliegen.“ Fritz maulte: „Mich nerven auch die anderen Horden, die durch den Blätterwald laufen und rufen: Wir nehmen's uns einfach!“ Petra schaute auf: „Du meinst diese Silizium-Jünger, die überall Plastikschilder antackern: Totes Holz, totes Holz?“ Fritz nickte.
 
Klaus gluckste kurz auf: „Viele von denen sollen sich ja schon verlaufen haben.“ Wir stutzten. Wieso denn das? „Weil sie den Ausweg auch nicht fanden.“
 
Endlich war auch mal wieder Lachen im Blätterwald zu hören. Bitteres Lachen.
 
 

Mittwoch, 13. August 2014

WDR - Wider Den Rasenmäher

Viele Millionen Euro, allein 30 in 2015, will bzw. muss der immer noch recht neue WDR-Intendant Tom Buhrow (sagte vor dem Amtsantritt: "Ich bring' die Liebe mit") einsparen. Dafür soll im Programm (und damit vor allem bei den Freien Mitarbeitern) kräftig gekürzt und  über Jahre hinweg 500 Planstellen abgebaut werden. Der DJV NRW, die WDR Freien und die DJV-Betriebsgruppe fordern: Keine Rasenmäher-Methoden. Wenn schon sparen, dann intelligent und gemeinsam.



Karikatur: Karlheinz Stannies


Sonntag, 10. August 2014

Modellauto-Affäre: Alles noch schlimmer...

Staatskanzlei-Chefin Christine Haderthauer, ihr Mann, die Modellautos, die Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und Fiskus - der typisch bayerische Komödienstadl unterhält uns gerade mal wieder prächtig. Karikaturist Heiko Sakurai enthüllt jetzt das ganze Ausmaß, auf seine unnachahmliche Weise.
Karikatur: Heiko Sakurai

Titel: Wenn Seehofer DAS wüsste.

Heiko zitiert per Zeichenstift die legendären Dalton-Vettern des belgischen Comics-Zeichners Morris, die von Lucky Luke immer wieder ins Kittchen gebracht werden.

Ich bin sehr froh, hier ab und zu die schönsten Werke von Heiko und anderen begnadeten Kollegen zeigen zu dürfen, sprich: proudly presented.



Samstag, 9. August 2014

Erzähl mal 'ne Schtorri

Kneipengast Peter hatte schon leicht einen im Tee. Er wankte an unseren Stammtisch, nuschelte: „Was ist eigentlich dieses Schtorritälling? Die anne Theke sagen, Ihr müsst das jetzt können. Sonst klappt's nicht mit dem Internetz.“

Wir steckten gerade mitten in der weltmeisterlichen Nachlese. Kann man eigentlich nochmal nur mit Verteidigern zur Tarif-WM fahren? Ist es auf Dauer gut, wenn die Akteure aus so wenigen Vereinen kommen? Und: Was tun, wenn der Gegner vom Platz geht? Bis in die Kabine verfolgen? Solche Sachen. Hinterher sind ja alle Trainer.

Klaus nahm sich Peters Frage an: „Wenn Deine Frau Dich nachher fragt, wo Du her kommst, was sagst Du dann?“ Peter blies die Backen auf: „Öhm, ich sage: Ich komme aus der Kneipe.“ Klaus nickte: „Siehste, das wäre eine Meldung, höchstens ein Bericht. Knapp, nachrichtlich. Wenn Du ihr aber eine Geschichte aus der Kneipe erzählst und die schön ausmalst mit Gesten und Mimik – das ist dann Storytelling.“

In Peters Augen glitzerte Verstehen auf. Lothar setzte nach: „Am besten, Du erzählst dazu noch den neuesten Brüller-Witz vom Wirt und bringst als Beweis Deinen Deckel mit.“ Katrin machte die Story rund: „Und Zeugenaussagen, dass Du diesmal die Finger von Wanda gelassen hast.“ Die Kellerin lächelte im Vorbeigehen und schüttelte sanft den Kopf.

Peter strahlte: „Ach, so geht das. Na, die wird begeistert sein.“ Er dreht ab: „Muss jetzt los. Meine Frau hat Geburtstag.“ Stefan giggelte: „Singt da bei der Pressekonferenz auch ein ZDF-Mann ein Ständchen?“ Martina winkte ab: „Nur wenn wir sie im Ranking vorher zu Deutschlands Drittbester machen.“

Wir fassten uns prustend an den Schultern, zogen in von Zukunftssorgen und Tariffluchten tiefgebückter Polonäse durch die Kneipe: „So spotten Journalisten, Journalisten spotten so...“ Ein weltmeisterlicher Auftritt.