Donnerstag, 31. Januar 2013

Dortmund war für mich immer Rundschau

Nun isses soweit. Heute wird die letzte Westfälische Rundschau produziert, morgen erscheint die letzte WR, in der noch Rundschau drin ist. Die Kolleginnen und Kollegen von den Ruhr Nachrichten und der WAZ mögen es mir verzeihen: Dortmund war für mich immer Rundschau.

Die besondere Stimme, die etwas andere journalistische Farbe – in dieser riesigen Ruhr- und Westfalenmetropole. Deshalb tut es mir auch besonders Leid, dass diese Redaktion nun komplett verstummt. Verstorben an Rendite-Sucht. Das Perfide: Die leere Hülle erscheint weiter, gefüllt mit sicher ansehnlichem Stoff. Aber eben nicht mehr mit Rundschau. WR steht künftig in Dortmund für "Westdeutsche RuhrNachrichten".

Der Geierabend-Steiger Martin Kaysh und Mario
Simon haben diese Anzeige geschaltet - "weil
Leserbriefe ja nicht veröffentlich werden".
 Die Verlagsoberen haben die letzte Chance, ihr Gesicht zu verlieren (und damit einen Hauch von Achtung zurück zu gewinnen) verstreichen lassen. Sie haben lieber die Anzeigen-Verbreitung gerettet als die Arbeitsplätze ihrer Redakteure.

Petra Grotkamp, ihre Mitgesellschafter (die Familien Schubries und Holthoff) sowie ihre Geschäftsführer gehen in die Geschichte der WAZ-Mediengruppe als Plattmacher ein. Und auch die Brost-Erben müssen sich fragen lassen, ob ihr Desinteresse am verlegerischen Erbe ihrer Vorväter zum Aus für die Redaktionen der Westfälischen Rundschau beigetragen hat.

Der Konzern wirft Millionen ab, von 14% Rendite ist die Rede. Aber das scheint nicht genug. Die Zeiten der verlegerischen Quersubvention sind wohl vorbei. Was sich nicht rechnet, kann weg, muss weg. Die Summe ist weniger als ihre Einzelteile. 300 Kolleginnen und Kollegen verlieren deswegen ihren Job und ihre Aufträge.

Trauerzug


Dieses vierseitige "Rundschau retten Extrablatt" wird am Samstag während der Trauer-und-Protest-Demo verteilt. Alle Seiten gibt's vorab hier zu sehen. Und hier steht, wer alles reden wird - von Fritz Eckenga bis Horst Röper, von Kajo Döhring (DJV) bis Klaus Schrage (dju), von Ulrich Pätzold bis zum Opel-Betriebsrat Murat Yaman.

Übrigens: Erinnern Sie sich an den Leser, der sein WR-Abo mit wohlgesetzten Worten kündigte? Nochmal nachzulesen hier. Ihn erreichte inzwischen  die Antwort des Verlags. Ein Standardschreiben, in dem ihm ein Gratismonat angeboten wurde, wenn er denn bereit wäre, die neue WR mal zu testen. Seine Ablehnung lesen Sie hier.

Dazu passt die Karikatur: Und der Leser kocht!

Dienstag, 29. Januar 2013

Exklusiv

Karikatur: Karlheinz Stannies

Montag, 28. Januar 2013

Bloggen - (m)eine Zwischenbilanz

Seit Mitte Dezember blogge ich. Journalisten sollen neugierig sein. Sie sollen, ja: sie müssen vor allem die Errungenschaften des digitalen Wandels für sich nutzen. Sonst haben sie gar keine Chance. Sagen jedenfalls alle Netz-Prediger. Okay, ich blogge, also bin ich (noch da). Hier (m)eine Zwischenbilanz.

Bloggen macht Spaß. Was schreibt man eigentlich? Ein noch leerer Blog ist genau so ein Horror wie ein weißes Blatt beim Zeichnen. Gut, dass ich zum Blog-Start einen kleinen Vorrat an Glossen und Karikaturen hatte. Meine Furcht, nichts zu sagen zu haben, was andere (in meinen Augen) für lesenswert halten, besteht aber immer noch. Ich bin keiner von diesen unbeirrbaren Journal-Missionaren oder Schwarz-Weiß-Malern, die es so einfach haben, stets das Richtige zu denken und zu fordern. Trotzdem: es macht Spaß, etwas zu zeigen oder zu schreiben - und danach zuzusehen, wie die Klickzahl wächst.

Samstag, 26. Januar 2013

Allerhöchste Zeit, das Gesicht zu verlieren

Nur noch wenige Tage, dann liegt in tausenden westfälischen Briefkästen und Kiosken ein journalistischer Zombie. Die Westfälische Rundschau, die keine Westfälische Rundschau mehr ist. In keiner Zeile. Allerhöchste Zeit also für die Geschäftsführung der WAZ-Mediengruppe, ihre von Rendite-Wünschen getriebenen Pläne zu ändern.

Ich weiß, solche Manager werden ihr Gesicht nicht verlieren wollen. Lästermäuler behaupten ja, die WAZ-Gruppenchefs hätten in früheren Jahren mehr Miese gemacht als eine WR je könnte, ich sage nur Balkan - aber lassen wir das.

In diesen Kreisen jedenfalls nimmt man nie etwas zurück, geschweige denn: Vernunft an. Nienhaus, der den Schickler-Kahlschlag (300 von 900) samt zugehöriger "Überraschung" der Belegschaft noch Bodo Hombach überlassen "durfte". Braun ("Das hätte man auch anders machen können"), der in Sonntags- und Betriebsversammlungsreden Hoffnung nährte, weil er das Lokale wieder stärken wollte. Ziegler, der die Rendite-Forderungen der Eigentümer und Banken erfüllen muss.

Karikatur: Karlheinz Stannies
Diesmal sind es wieder 300 Menschen, die Jobs und Aufträge verlieren; 120 fest, der Rest frei. Und was bleibt, ist "eine Art Zeitung", wie es in einer Soli-Adresse auf Medienmoral heißt, ohne eigene Redakteure, zusammengeschustert aus einem Mantelteil vom Essener Content-Desk der WAZ-Mediengruppe und diversen Lokalteilen, eingekauft wahlweise von der Westfalenpost (ab April) oder von den ehemals konkurrierenden Medienhäusern Lensing-Wolff, Rubens, Ippen.

Wie soll das gehen?