Freitag, 21. März 2014

Weniger Verleger = mehr Qualität?

Welchen Eindruck macht es wohl auf die Mitglieder des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), wenn ihre Galionsfiguren - mitten in einer laufenden Tarifrunde - mal eben Tarifflucht begehen? Ist es ein gewolltes Signal an die noch Tariftreuen (immerhin noch die Mehrzahl), ihrerseits auch die Rechte und sozialen Errungenschaften ihrer Redaktionsbelegschaften zu missachten?

Protest gegen Tarifflucht, hier in Hamm.
Foto: Klinkebiel / P.Schnurr
"Ein Schlag ins Gesicht der tariftreuen Verlage", urteilt der DJV-Vorsitzende Michael Konken (hier).

Es geht um die Kölner First-Class-Verleger Helmut Heinen (der BDZV-Präsident) und Alfred Neven DuMont (der BDZV-Ehrenpräsident). Beide wollen die Lokalausgaben von Kölnischer Rundschau und Kölner-Stadtanzeiger in eine neue Redaktions-GmbH ausgliedern, die dann tariflos ist. Außerdem sollen dabei mal eben 30 Stellen abgebaut werden. Siehe hier bei Medienmoral NRW.

Drollig ist dabei die Beschwichtigung der Leser, die künftig lokal aus einer Quelle bedient werden. Die Verlagsoberen sagen sinngemäß: a) Wir sichern die Zukunft der lokalen Berichterstattung, wenn wir Euch nur noch aus einer gemeinsamen Quelle bedienen. Und b) Wir erhöhen die Qualität Eurer Lokalausgaben, wenn wir jeden dritten Lokaljournalisten rauswerfen. Tadaaa, jubelt, ihr Leser!

Ähnlicher Unsinn kam ja vor einiger Zeit u.a. auch von den zahllosen Geschäftsführern der Funke-Mediengruppe, während sie Hunderte von Jobs strichen. Mindestens 4 Millionen Euro pro Jahr sollen in Köln auf dem Buckel der Lokalredaktionen beider Verlage eingespart werden. Ganz klar: Keine verlegerische Problemlösung, höchstens eine  Null-acht-fünfzehn-Sparidee aus der unternehmerischen Mottenkiste.

Quatsch wäre ja wohl auch die Behauptung, wenn man jeden dritten Verlagsmanager aufs Altenteil schickt, dann ginge es den Medienhäusern besser und sie hätten wieder verlegerische Ideen. Verrückt? Oder etwa nicht? Man kommt langsam ins Grübeln, zumindest bei dieser Variante.

Tarifflucht-Verleger am Pranger, auch in Münster.
Foto: Klinkebiel / P.Schnurr
Ein Zeichen gegen die Tarifflucht setzt der DJV. Während in der Tarifrunde ja - weil es rechtlich nicht anders geht - gerade diejenigen Verlage bestreikt werden, die noch tariftreu sind, wird seit Wochen parallel in mehreren Bundesländern Stimmung gemacht gegen die Tarifumgeher. Mit einer Video-Projektion auf Hauswände und Plätze machen Kolleginnen und Kollegen darauf aufmerken: "Journalisten sind mehr wert". Dabei verteilen sie die boulevardeske Aktionszeitung "Pranger" und viele Informationen. In NRW war das am Mittwoch in Hamm, am Donnerstag in Münster und am Freitag in Dortmund der Fall. Ach ja, und weil es gerade passt: in Kürze auch in Köln.

In Dortmund, an der Treppe zum Hauptbahnhof.
Foto: Karlheinz Stannies

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Viele Verlage sind auf Tarifflucht. Sie erklären sich für tariffrei, gliedern aus, legen zusammen, holen Leiharbeiter in die Redaktionen. Ist Ihr feiner Herr Verleger auch dabei? Steht die Zeitung, die Sie lesen, ebenfalls in der (leider bereits langen) Reihe der Tarifumgeher? Der DJV listet hier auf, wer seinen Redakteurinnen und Redakteuren nicht einmal das Tarifgehalt (also das mit dem Verlegerverband vereinbare Minimum) gönnt.

Guter Journalismus darf nicht baden gehen, Wir halten ihn hoch. Das
war die Aussage dieser Aktion des DJV NRW vor einiger Zeit in Bonn.
Foto: Karlheinz Stannies



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