Freitag, 7. Juni 2013

Pia Ziefle: Illegaler download schadet uns Autoren!

Ihr Erstling ist ein Familienroman, heißt "Suna" und hat es schon unter die Top 50 der Spiegel-Bestsellerliste geschafft: Pia Ziefle, auf Twitter @FrauZiefle, lebt in der Nähe von Tübingen. Als eine junge Schriftstellerin vor ein paar Monaten einen wütenden offenen Brief an eBook-Piraten schrieb ("Ich fühle mich von Euch bestohlen und ausgebeutet", siehe hier), bezog auch Pia Ziefle in einem Blogbeitrag Stellung gegen diese Art von "Bücher-Befreiung". Der Beitrag "Wertschätzung für unsere Arbeit, notfalls Kuchen" gefiel mir so gut, dass ich sie bat, ihn bei mir noch einmal als Diskussionsstoff einstellen zu dürfen. Hier ist er also, mit freundlicher Genehmigung (und gegenüber dem Original nur ganz behutsam gekürzt) - proudly presented:

Pia Ziefle
(Foto von ihrer Webseite)
Von PIA ZIEFLE

Meine Haltung zu kostenlosen eBooks, die illegal irgendwo hoch- und runtergeladen werden, ist klar: das geht überhaupt nicht. Manche Autoren verstehen das als Werbung oder als ein Indiz für Wertschätzung, schließlich belege das doch das Interesse am Werk. Es fällt mir weiterhin recht schwer, dem zu folgen. Nicht wenige Diskussionen habe ich die letzten Monate darüber geführt, und nicht selten waren meine Gegenüber Menschen, die sehr wohl wussten, dass Autoren Vorschüsse bekommen, die wiederum sehr selten bzw. unerwartet wenig oft von den Buchverkäufen getragen sind. Verlage tragen das gesamte Risiko, bezahlen nicht rückzahlbare Vorschüsse und finanzieren die allermeisten Autoren aus den Töpfen der wenigen Bestseller quer. Also ist es sehr scheinheilig zu behaupten, man könne von den Buchverkäufen ja sowieso nicht leben, darum sei es doch prima, auf diese Weise wenigstens kostenlose Werbung zu erhalten.

Ich habe es vor ein paar Monaten schon geschrieben: Illegaler download schadet uns Autoren. Das Argument, ein download wäre nicht notwendigerweise ein Verkauf, also würden wir nicht bestohlen werden, zählt genau Null. Nochmal: Buchverkäufe wirken sich für uns Verlagsautoren nicht nur direkt aus, indem wir unsere Prozente erhalten, sondern auch indirekt.

Manche Kommentatoren verhöhnen uns und nennen die Prozente, die wir erhalten, lächerlich. Als würden Verlage uns beispielsweise 10% geben und selber 90% behalten. Wer sich genauer mit der Materie befasst, wird sofort erkennen, dass das Quatsch ist. Was machen die Verlage denn mit den 90%? Sie geben einen sehr großen Teil an den Handel, der wiederum seine Leute / Räume /Logistik bezahlt, so dass Mitarbeiter, Vermieter, Fahrer etc. Mittagessen kaufen können. Bleibt ein schon sehr viel kleinerer Rest. Davon wird z.B. die Herstellung bezahlt, die man übrigens für beides braucht, für die Druckversion und für die eBooks. Weiter das Lektorat, Korrektorat, die Grafik. Das Marketing. Fotografen. Presseleute.

Bis hierher spielt es übrigens keine Rolle, ob das Buch digital verlegt wird oder gedruckt. Der Anteil für Druck und Lagerung wird zumeist nahezu aufgewogen* von den Logistikkosten für eBooks, die in diverse Formate gebracht und in diverse Portale geladen werden müssen, deren diverse Paymentsysteme wiederum kosten. Es ist also sehr sehr blauäugig zu behaupten, eBooks müssten noch viel günstiger sein, nur weil sie nicht gedruckt werden müssen. Unbestritten ist, dass ein eBook-Preis, der fast am Hardcover-Preis angekommen ist, Bauchschmerzen bereitet. Mir auch. Schon allein deswegen, weil man bei gewissen Portalen die Datei nicht besitzt.

Aber: Wir sind in einem Prozess, vieles wandelt sich. Je mehr Leser einen Reader haben, je mehr Nachfrage besteht, umso bessere Preise. Ist ja eigentlich klar. Und ja, 20 Euro für ein Hardcover sind auch für mich ein Preis, bei dem ich schlucken muss, da hilft der Vergleich mit einem Kinobesuch nichts, bei dem muss ich auch schlucken. Ich verstehe das Preisargument also ein Stück weit. Trotzdem würde ich nie auf die Idee kommen, mir stünde die Arbeit anderer umsonst zu, nur weil ich nicht über die Mittel verfüge, sie zu bezahlen.

Also: schickt uns Autoren eine Mail, wenn Ihr unsere Arbeit wertschätzt, flattert unsere Artikel, schickt uns Selbstgebackenes in großen Kisten. Aber lasst unsere eBooks in Ruhe, ja? Danke.

* Für spezialisierte Verlage, die nur eBooks anbieten, sieht das möglicherweise anders aus, weil die aus ganz anderen Strukturen kommen.

1 Kommentar:

  1. Zu allem, was über die Kosten von eBooks gesagt wird stimme ich zu. Aber das es noch immer Menschen gibt, die glauben sie würden wegen der Existenz von Tauschbörsen weniger Inhalte verkaufen erschreckt mich. Ist Ihnen bekannt, dass es inzwischen mehrere Studien gibt, die das genaue Gegenteil beweisen?

    Zum einen gibt niemand so viel Geld für Medieninhalte aus wie Tauschbörsennutzer. Zum anderen gibt es leider auch immer mehr Menschen, die sich DVDs, Bücher und Musikalben leider einfach nicht mehr leisten können. Wenn die mal etwas runterladen, geht Ihnen genau nichts verloren...
    http://gesthuizen.de/kulturelle-notwehr/

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