Dienstag, 20. Oktober 2015

Spielchen im Rotstift-Milieu

Wir waren mitten im Spiel. Plötzlich fragte Frank quer über den Stammtisch: „Habt ihr das auch gelesen? In England zahlt Lidl jetzt den Mitarbeitern freiwillig höhere Löhne, nur um dem Konkurrenten Aldi eins auszuwischen.“ Ein interessanter Ansatz, fanden wir: In die Belegschaft investieren. Mehr Geld motiviert, lockt die besseren Leute an. „Das könnten unsere Medienhäuser auch mal probieren“, fand Helene.

Wir waren leicht abzulenken, der Faden wurde sofort weitergesponnen: Transfermarkt für Journalisten – hohe Ablösesummen für echte Lokal-Experten und Edelfedern – Bleibe-Prämien für zigmediale Wollmilchsäue – fette Honorar-Handgelder für alle Freie – Wechselfenster in der Saure-Gurken-Zeit...

Helene blieb cool: „Hört auf. Die Verleger haben doch ihre soziale Verantwortung verlegt. Und ihre Manager kommen fast nur noch aus dem Rotstift-Milieu.“

„Apropos“, holte uns Manfred wieder zum Lieblingsspiel des Stammtischs zurück: Medienhaus-Scharade. Ein Ratespiel mit bitterem Hintergrund, bei dem uns leider seit langem die Beispiele für Arbeitgeber-Zumutungen nicht ausgingen. Manfred ließ eine imaginäre Spendenbüchse herumgehen. „Gebt, gebt“, schüttelte er die Hand. „Mein Medienhaus ist so bitter bitter arm, wegen der vielen Sozialpläne.“ Wir grinsten: Funke.

Benedikt reichte einen Kuli und einen Zettel herum: „Unterschreibt! Für die Auflage! Abonniert endlich Eure einen Blätter. Das wird doch vom inzwischen tariflosen Gehalt noch drin sein...“ Wir prusteten: Aschendorff.

Dann war Kurt an der Reihe. Er pantomimte einen rennenden Mann, die Hand vor den Augen: „Ich mach's, weil's alle machen.“ Wir lächelten wissend: Bauer, auf Tarifflucht.

Als Alfred dran war, sammelte er unsere Bierdeckel ein und legte sie auf einen Haufen – natürlich nicht ohne ein paar davon auszusortieren. Wir rätselten: Okay, Redaktionsfusionen, Zentralredaktion. Aber wer? Schon wieder Funke? Alfred hob die Handkante zum Gruß, an die falsche Schläfe: „Tätääää“. Wir lachten laut: DuMont. Und dann wurde geschunkelt. Genug für heute.


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