Donnerstag, 13. August 2015

Ein Mann, ein Klo

Karikatur: Karlheinz Stannies
Das Arsenal der Medienberater ist schier unerschöpflich. Früher hieß es als Vorgabe: Ein Mann, eine Seite. Heute sind die sündhaft teuer bezahlten Einflüsterer weiter. Hören wir mal beispielhaft rein:
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„Es gibt doch immer nur einen Journalismus, den guten“, schmierte der Berater den Medienmanagern erst Honig ums Maul. Seine Augen wurden schmal: „Und wieso leisten Sie sich dann mehr als eine Redaktion?“ Zack, das saß. Die Manager zuckten. Sie alle hatten mehrere Zeitungen im Portfolio. Früher mal wegen der Anzeigengebiete zusammengekauft.

"Legen Sie alles zusammen“, beriet der Berater. Wozu viele Journalisten, wenn jeder doch dasselbe macht? „Behalten Sie nur die Besten!“ Eine kleine Zentralredaktion für alle Titel – das spart. „Und Sie können behaupten: Ja, wir werfen raus, aber die Qualität steigt. Viel bedeutet ja nicht Vielfalt. Weniger ist mehr.“

Plattitüden konnte er. Den großen Schritt behielt er natürlich für sich. Nur noch eine einzige Redaktion für alle Medienhäuser, bundesweit. Mit nur wenigen Managern. Das wäre der Rendite-Knaller. Er seufzte. Ja, er hatte noch Zukunftsvisionen.

Aber noch gab es Schecks, äh, Synergien, wohin man blickte. Zombie-Zeitungen, eine Redaktion für zwei, eine Zentralredaktion für viele. Tarifbindung aufgeben und dieselben Leute untertariflich oder frei beschäftigen. Es war doch so einfach. Die Medienbranche war auf einem guten Weg. Für Berater. Die wahren Gewinner der Digitalisierung. Und wenn er nur an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk dachte – so viele Sender, so viele Wellen, so viele Redaktionen, so viele Gremien, herrlich!

Seine Fragen trieben die Verleger in die Enge. Wieso nutzen Sie vor Ort nicht die billigsten Freien und Leserreporter? Wieso tauschen Sie nicht noch mehr Lokalteile aus? Wieso legen Sie Print und Online nicht zusammen? Wieso trennen Sie nicht beide wieder? Egal was, Hauptsache: Sparmaßnahme.

Er lächelte. Von ihm könnte selbst Schäuble noch was lernen. Der Berater fuhr mit dem Finger über seine beeindruckenden Zahlenkolonnen. „Und wieso leisten sie sich 70 Klos für die Redaktion?“ Der noch unreife Jungmanager wollte erklären, dass die halt alle in anderen Städten... „Schnickschnack“, fuhr ihm die Berater über den Mund. „Statistik lügt nicht. Da muss man einen Laden nicht kennen. Ein Mann, ein Klo... das sprengt die Benchmark.“ Die Verleger unterschrieben.


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