Samstag, 9. November 2013

Die Einflüsterer

Prof. Dr. Frank Überall
Foto: Bastei Lübbe
Er ist Professor Doktor. Lehrt an der HMKW Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft (Köln/Berlin). Ist freier Journalist und Autor. Sein aktuelles Buch heißt "Abgeschmiert - Wie Deutschland durch Korruption heruntergewirtschaftet wird". Und er ist (frisch wiedergewählt) im Bundesvorstand des DJV. Für Charly&Friends drängt sich Frank Überall ein Vergleich zwischen Supermarkt und Medienhaus auf: Die hören wohl auf dieselben unseligen Einflüsterer, meint der Kölner Politikwissenschaftler - proudly presented:
 
Von FRANK ÜBERALL
 
„Liebe Kunden, wir öffnen Kasse fünf für Sie!“ Wie erleichternd ist diese Durchsage, wenn man in der Endlos-Schlange seines Supermarkts steht. Aber Kasse fünf bleibt immer häufiger zu. Weil Personal teuer ist, und die Kunden ja auch kommen, wenn sie sich in langen Schlangen schlängeln. Als Großstädter kann ich meine Milch ja schließlich nicht selbst ermelken, keine Sau durchs Millionendorf treiben, der ich dabei einen schmackhaften Schinken abschneide, kein Korn ernten und schroten, um mir ein Brot zu backen. Ich brauche den Supermarkt, zumindest im Moment noch, das wissen die Verkaufsstrategen dort ganz genau.
 
Aber die Zahlen müssen stimmen: Personal wird abgebaut, Vielfalt und Qualität der Waren werden heruntergeschraubt. Hauptsache, die Bilanz stimmt: Nicht für mich als Kunde, sondern für Inhaber und Investoren des Supermarkts. Super? Ganz bestimmt nicht. Man kann sich lebhaft vorstellen, welche Geschäfte ein Supermarkt auf Dauer macht mit einem solchen Sparkurs. Nämlich mittelfristig gar keine mehr.
 
Das vermeintliche Erfolgskonzept scheint aber auf eine andere Branche gerade überzugreifen. Die Unternehmensberater, die wahrscheinlich die Supermärkte nicht mehr als Kunde gewinnen können, schleichen jetzt über die Flure deutscher Verlagshäuser. Da predigen sie ihre alten Parolen von Personaleinsparung und Runterfahren von Qualität und Quantität. Hauptsache, die Bilanz stimmt.
 
Verleger und Verlagsgesellschaften, die sich von solchen „Profis“ derart einflüstern lassen, sollten mal wieder in ihren örtlichen Supermarkt gehen und über ihren Kurs nachdenken. Wenn der Supermarkt noch da ist und wegen seines sinnlosen Übersparkurses nicht längst von der Konkurrenz verdrängt wurde. Zeitungen und Zeitschriften brauchen anständige Verleger! Und zum vorausschauenden Anstand gehört es, zumindest keine Kasse – oder Redaktion – zu schließen.
 

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