Freitag, 4. Oktober 2013

Gauck machte Verlegern keine Freude

Ganz aktuell: die Gauck-Postkarte des DJV (Infos dazu auch hier)

Das war starker Tobak. Bundespräsident Joachim Gauck durfte auf der Jahrestagung des BDZV sprechen - und dabei las der Mann, der mit einer Journalistin lebt, den Zeitungsverlegern ganz ungeniert die Leviten. Der DJV machte aus einem Gauck-Satz jetzt (übrigens in Absprache mit dem Bundespräsidialamt) eine Protest-Postkarte und ein Plakat für die laufende Tarifrunde: "Der Zeit- und Kostendruck in den Redaktionen lässt immer weniger Spielraum für aufwendigen oder investigativen Journalismus." Viele Journalisten "würden gern gründlicher recherchieren, öfter nachfragen und präziser texten. Sie sträuben sich dagegen, Masse statt Klasse zu produzieren."

Jau, da hat er leider Recht, der Herr Bundespräsident.

In seiner Rede hat Gauck sehr deutlich geklagt: "Überall lässt sich beobachten, wie feste Stellen in den Redaktionen verschwinden, wie freie Mitarbeiter für Zeilenhonorare schuften, wie Volontäre als Redakteure arbeiten, aber Azubilöhne verdienen. Prekäre Arbeit ist keine stabile Basis für verlässliche Inhalte." Der DJV schreibt seinen Slogan drunter: Qualitätsjournalismus ist mehr wert! Gaucks Fazit an dieser Stelle: "Personelle Auszehrung schlägt früher oder später auf die Qualität durch. Und die Leser merken das." Langfristig sei eine solide Personalausstattung in den Redaktionen "inhaltlich wie ökonomisch sinnvoll."

Tja, aus präsidialem Munde gehört haben es die Zeitungsverleger. Aber ob sie es verstanden haben? Geschweige denn beherzigen...

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Übrigens: Die vollständige Rede des Staatsoberhaupts kann man u.a. hier nachlesen.

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