Mittwoch, 16. Oktober 2013

Funke und Springer: Sie machen Geschäfte, und sie machen Lokalteile kaputt

Eine Zeitlang schien es so, als könne der durch dutzendfache Redaktionsschließungen und Stellenabbau im großen Stil "verbrannte" Name Funke-Mediengruppe auch mal positiv punkten: Durch den geplanten Kauf von traditionsreichen Zeitungen sowie Frauen- und Programmzeitschriften von Springer (für 920 gepumpte Millionen Euro) konnten sich die Essener als "Retter von Print" vermarkten. Der Image-Aufschwung hielt nicht lange.

Karikatur: Karlheinz Stannies
Die WAZ-Axt der Funke-Mediengruppe schlägt nämlich wieder zu. In Dorsten sowie in Lüdenscheid/Halver und in Altena/Werdohl/Plettenberg werden Lokalredaktionen geschlossen - und in Castrop-Rauxel entsteht eine neue Mogelpackung. So wie beim Zombie-Blatt Westfälische Rundschau liefert dort ab November der Konkurrent Ruhr Nachrichten das Lokale. Der Mantel kommt vom zentralen "Desk" in Essen.

Der DJV NRW kritisiert, das sei erneut ein "deutlicher Verlust von Medien- und Meinungsvielfalt in der Region". Auf der Webseite hier fragt Landesvorsitzender Frank Stach: "Ausgerechnet dem Medienkonzern, der sich erst kürzlich mit dem Zukauf von Springer-Produkten zum Retter von Print erkoren hat, fällt außer Mogelpackungen und Redaktionsschließungen nichts Kreativeres ein?" Das lasse nichts Gutes ahnen für die 900 neuen Kolleginnen und Kollegen aus Berlin und Hamburg, die 2014 zum Konzern dazu stoßen sollen.

Karikatur: Karlheinz Stannies
Zur Behauptung der Mediengruppe, man erhalte die Titel- und Medienvielfalt vor Ort und informiere die Leser weiterhin über das Geschehen vor ihrer Haustür, sagt Stach nur: "Das ist Zynismus pur!"

Auch bei BILD geht es der lokalen und regionalen Berichterstattung an den Kragen. "Die Abrissbirne kreist", klagte der Berliner Betriebsrat Anfang Oktober in einer Mitarbeiter-Information. "Es geht um einen Kahlschlag, wie es ihn bei Axel Springer und der roten Gruppe noch nie gab!"

Auch die BILD-Redaktionen in NRW sind betroffen. Nach dem Springer-Plan sollen Berlin, Hamburg, Leipzig, Frankfurt, München sowie Essen für NRW zu "volldigitalen" Hauptstandorten werden. Alle anderen Außenredaktionen, darunter auch die Redaktionen in Düsseldorf und Köln, werden zu stark verkleinerten "Reporter-Standorten" degradiert. Dort sollen Redaktionsspitzen, Fotodesks und Sekretariate aufgelöst werden, klagen die Betriebsräte. Planstellen von Reportern würden gestrichen oder verlegt, Fotografen in Pauschalverträge gedrängt.

Das journalistische Grundkapital von BILD, die flächendeckende Verwurzelung in ganz Deutschland, werde aufs Spiel gesetzt, fürchten die Betriebsräte: "Wer soll denn für BILD, von Print über Online bis BILDplus, die in Zukunft immer vielfältiger und zahlreicher benötigten exklusiven Inhalte mit Alleinstellungsmerkmal liefern, wenn es nur noch ausgedünnte bundesweite Strukturen gibt?"

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