Donnerstag, 12. September 2013

Plettenberg

Christian Nienhaus
Foto: presseportal
Anfang des Monats, irgendwo in einem sicher nicht ganz billigen Hotel in Weimar, wurde Christian Nienhaus, Geschäftsführer der Funke Mediengruppe und Vorsitzender der NRW-Zeitungsverleger, ganz grundsätzlich. Wie muss guter Lokal- und Regionaljournalismus aussehen?

Zwischendurch: Funke Mediengruppe, sagt ihnen nichts? Ja, das ist die frühere WAZ Mediengruppe, die Hunderte von Journalistinnen und Journalisten rauswarf, Dutzende Lokalredaktionen schloss, die erste große Zombie-Zeitung ohne eigene Redaktion gründete - und nun bei Springer groß einkaufen will. Zeitungen, Frauen-Zeugs und Programmies. Und der dann so zum "Verlag mit den meisten Journalisten" in Deutschland werden möchte. Alles klar?

Zurück zu Herrn Nienhaus und seinen gedrechselten Worten bei der Verabschiedung eines Thüringer Chefredakteurs: "Lesernähe, Identifikation mit der Region, Kreativität und Mut zur Einmischung - das ist unser Verständnis von gutem Regionaljournalismus."

Hat er zusammengefasst. Und vorher noch detaillierter ausgeführt: "Die Nähe zu den Menschen, und zwar die wirkliche, nicht nur die postulierte, die Identifikation mit der Region, ich scheue in diesem Zusammenhang nicht vor dem Begriff eines Lokalpatrioten zurück, die Kreativität bei der inhaltlichen und gestalterischen Weiterentwicklung der Zeitung und der Mut zur Einmischung im Sinne des (regionalen) Gemeinwohls: Das macht guten Lokal- und Regionaljournalismus aus."

Hach. Schön gesagt. Und dann hat er den Chefredakteuren beteuert, sie seien frei in ihren Entscheidungen, natürlich mit der kleinen Mahnung verbunden, man müsse ja nicht immer mit Ecken und Kanten und polarisierend... Es müsse halt stets nur den Lesern gefallen. 

Damit könnte die Geschichte hier enden. Wäre da nicht Plettenberg.

Genauer: die Ausgabe Plettenberg der Zombie-Rundschau. Deren "WR-Projektredaktion" sah sich "in ihrem journalistischen Selbstverständnis bestätigt" und ermöglicht "Ihnen, verehrte Leser, einen Blick hinter die Kulissen" - und druckte die gesamte Weimarer Rede ganzseitig auf sechs von sieben Spalten in Plettenberg ab. Sicher wegen der Lesernähe und des Muts zur Einmischung. Oder doch wegen der Identifikation mit der Region? Und damit den Plettenberger Lesern in ihrer 350 Autokilometern entfernten Stadt auch wirklich nichts entging, begann der Abdruck schon hier: "Sehr verehrte Frau Ministerin, sehr verehrte Frau Landtagspräsidentin, sehr geehrte Damen und Herren Oberbürgermeister, seine sehr verehrten Damen und Herren, lieber Herr Hoffmeister..."

 



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