Freitag, 23. August 2013

Tarifrunde Zeitungen: Früher Kaliber, heute Anzüge

Ich weiß, es klingt wie: Oppa erzählt von besseren Zeiten. Trotzdem. Das muss raus: Ganz früher saßen den Journalisten-Gewerkschaften noch Kaliber gegenüber. Verleger-Haudegen, mit denen man ordentlich streiten - sich aber auch mal auf Vernünftiges einigen konnte. Selbst, wenn es was kostete. Seit einigen Jahren sitzen da auf BDZV-Seite anscheinend nur noch Anzüge.


Georg Wallraf
Foto:BDZV
"Die Zeitungslandschaft braucht einen modernen Tarifvertrag", schwafelte Georg Wallraf, der neue Verhandlungsführer des BDZV, ins tagesschau-Mikrofon. Und so sieht die Vision des Verlegerverbandes aus: Der bisherige Flächentarifvertrag wird aufgelöst, dafür soll die Statistik die Gehälter diktieren - und zwar je nach Kaufkraft in der jeweiligen Region. Also schon in der Nachbarstadt womöglich anders. Was bitte ist daran modern? Wer kommt denn auf solche Ideen? Moderne Tarifpolitik, moderne Personalpolitik sehen anders aus.

Nach den BDZV-Plänen würden die Redakteurinnen und Redakteure an den Tageszeitungen im Ruhrgebiet übrigens auf viele Jahre hinaus leer ausgehen bei Gehaltserhöhungen - tja, WAZ & Co, Pech gehabt, Nullrunden solange die Kaufkraft im Ruhrgebiet im Keller ist.

Überhaupt würde es bundesweit überwiegend Nullrunden geben, auch bei allen überregionalen Zeitungen wie Handelsblatt, Süddeutsche oder Bild. Der BDZV strebt jahreslanges Einfrieren der Gehälter an, schimpft Frank Werneke von Verdi. "Die Absicht der Verleger ist klar. Sie wollen ein dauerhaftes Auseinanderdriften der Lohnhöhen."

"Vollkommen inakzeptabel", wettert Kajo Döhring, Chefverhandler vom DJV. Anja Zimmer vom DJV NRW: "Das ist ein fadenscheiniger Versuch, die Kolleginnen und Kollegen auseinander zu dividieren. Das werden die NRWler nicht mit sich machen lassen!“ Der BDZV habe Ähnliches schon 2011 in den letzten Verhandlungen versucht. „Damals war es der Nachwuchs, der abgehängt werden sollte, jetzt sind es bestimmte Regionen."

Mein Tipp: Das wird noch 'ne lustige Tarifrunde. Am 9. Oktober soll weiterverhandelt werden. Die Verlagsvertreter wollen ein Gesamtpaket vorlegen. Man darf sich jetzt schon grausen.

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P.S.: Ich wurde in den Zentralen Aktionsausschuss des DJV auf Bundesebene berufen.

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