Mittwoch, 17. Juli 2013

DJV-Chef Konken: Dafür werden wir kämpfen!

Am Freitag beginnt die Tarifrunde für Feste und Freie an Tageszeitungen. Dabei geht es nicht nur um 5,5% (ver.di) bzw. 6% (DJV) mehr Geld oder Honorar. Die Tarife sollen modernisiert werden. Außerdem soll nach mehreren Anläufen endlich die Einbeziehung der Onliner in den Tarif erreicht werden. Was meint Michael Konken dazu? Er ist seit zehn Jahren Vorsitzender der wichtigsten und größten Journalist(inn)en-Gewerkschaft in Deutschland. Der 59-jährige DJV-Vorsitzende lehrt Journalismus, Politik und Kommunikation. Konkens Kommentar, exklusiv für Charly&Friends - proudly presented:

Michael Konken
Foto: DJV/Anja Cord
Von MICHAEL KONKEN

11,9 Prozent arbeitslose Journalisten. Auswirkungen der ständigen Sparrunden in vielen Verlagen. Redaktionen sind das Herz der Verlage. Wenn es hier tariflich zu Herzproblemen kommt, dann wirkt sich das, bis hin zum Herzstillstand, in anderen Bereichen der Verlage aus.

Es ist nicht mehr hinnehmbar, Gehalts- und Honorarsteigerungen unterhalb der Inflationsrate zu bekommen. Wir wollen mit den Verlegern über einen zukunftsorientierten Umbau der Tarifverträge verhandeln. Einem Umbau, der beiden Seiten Rechnung trägt. Aktuell spiegeln sie nicht mehr die Arbeitswirklichkeit wider.

Sie grenzen auch eine immer wichtiger werdende Gruppe von Journalisten aus: die Onliner. Sie müssen in die Tarifverträge integriert werden. Ein Zeichen für die Bedeutung und die Zukunft des Onlinejournalismus. 

Eine weitere wichtige Gruppe sind die Freien. Der 12a-Tarifvertrag muss auf den Verhandlungstisch, um die Honorare bzw. Pauschalen ebenfalls um sechs Prozent anzuheben.

Ich wünsche mir, dass endlich die Verlage die Wertigkeit journalistischer Arbeit respektieren und angemessen honorieren. Dafür werden wir kämpfen.

 
Guter Journalismus darf nicht baden gehen, Wir halten ihn hoch. Das war die
Aussage dieser Aktion des DJV NRW. Foto: Karlheinz Stannies
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Danke, Michael! Aktuelle Tarif-Infos vom DJV gibt immer hier.

Ein paar Anmerkungen von mir noch: Den Gewerkschaften gegenüber sitzt der BDZV, der Bundesverband der deutschen Zeitungsverleger. Der ist eigentlich nicht mehr der ordentliche umfassende Tarifpartner von früher. Denn er duldet Eunuchen. Damit meine ich Mitglieder-Verlage, die mit Tarifen - also eigentlich bundesweit geltende Mindestbedingungen für alle Redaktionen - nichts am Hut haben wollen, so genannte OT-Mitglieder. Ohne Testikel.

Sie genießen die gesellschaftlichen, betriebsverfassungsrechtlichen und steuerlichen Vorteile eines Verlages, sie bekommen Hilfestellung vom Verband - aber als Tarifpartner, der notfalls auch mal bestreikt werden dürfte, klinken sie sich einfach aus. Und lachen sich eins ins rendite-gierige Fäustchen.

Die Liste der OT-Verleger (und auch anderer Tarifumgeher, mit Tricks von Outsourcing bis Leiharbeit) wird immer länger. Ist Ihr feiner Herr Verleger auch dabei? Der DJV zählt hier alle auf, die ihren Redakteurinnen und Redakteuren nicht einmal mehr Tarifgehalt (also das vereinbare Minimum) gönnen. Schauen Sie mal nach!

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