Mittwoch, 20. März 2013

WAZ-Axt schlägt zu: Nochmal 200 Stellen weg

Die WAZ-Axt schlägt immer wieder zu. Die Hiebe treffen Journalistinnen und Journalisten sowie die lokale Medienvielfalt. Nach dem Abbau von 300 der damals 900 Redakteursstellen - vor allem in den Lokalredaktionen - und nach der Schließung aller Redaktionen der Westfälischen Rundschau (300 betroffene freie und feste Kolleginnen und Kollegen) trifft die Axt nun gleich an mehreren Stellen. Unter dem Strich werden erneut rund 200 Stellen in NRW vernichtet. Im Redaktionsbereich (Zeitungen, Anzeigenblätter) und Verwaltungsbereich (Anzeigenabteilungen).

Die Liste ist lang.
Am heutigen Mittwoch erfuhren die Betriebsräte die Details der neuen Kündigungswelle. Am Nachmittag gab's eine Info im Intranet der WAZ-Mediengruppe, die ja inzwischen Funke-Gruppe heißt: "Die Entscheidung, uns von Personal zu trennen, ist uns mehr als schwer gefallen." Begründet wird die Maßnahme mit "Umsatzrückgängen in Millionenhöhe". Man müsse "jetzt handeln" und mit der geplanten Kostensenkung "Freiraum für neue Produkte" schaffen. Aus dem Schreiben der Geschäftsführung zitiert hier auch newsroom.

Nach allem, was man bisher hört und liest, gehören die Anzeigenblätter und die Anzeigenabteilungen zu den Hauptbetroffenen der Maßnahme. Kräftig personell "bluten" müssen aber auch der zentrale ContentDesk der vier Zeitungen - das Lieblingskonstrukt des WAZ-Chefredakteurs Ulrich Reitz soll um 21 Stellen schrumpfen - und der Foto-Pool, der 20 Stellen verlieren soll. Die verbliebenen Titel-Redaktionen der Zeitungen werden verkleinert, einige Branding-Redaktionen der NRZ geschlossen - die Leser dort erhalten künftig WAZ pur. Die NRZ dürfte damit aber noch nicht "durch" sein.

"Proteststerben" vor der
WAZ in Recklinghausen
Geschlossen werden soll auch die WAZ-Redaktion Unser Vest in Recklinghausen. Die Zombie-Zeitung Westfälische Rundschau lässt grüßen: Ab 1. Mai werden die WAZ-Abonnenten im einwohnerstärksten Kreis Deutschlands dann mit den lokalen Inhalten des früheren Erzrivalen versorgt, des Medienhauses Bauer. Das überstand alle wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Branche bisher ganz gut, vor allem weil es stets voll auf die lokale Berichterstattung setzte.

Die Vest-Redaktion der WAZ entstand übrigens vor gut sechs Jahren. Damals wurden neun Lokalredaktionen (!) im Kreis Recklinghausen dicht gemacht - und die verbleibende Vest-Redaktion, die das Beste aus den zehn Städten herausfiltern und sich ansonsten auf exklusive Qualitätsberichterstattung stürzen sollte, zur "Zukunft des Journalismus" hochstilisiert. Jedenfalls sagte sowas damals Vize-Chefredakteur Wilhelm Klümper. Na ja, Schwätzer gab es zu allen Zeiten.

Für alle Betroffene sollen "sozialverträgliche Lösungen" gefunden werden, beteuern die Gruppengeschäftsführer. Von Entlassungen mag bei der WAZ- .. ähm: Funke-Mediengruppe (noch) niemand reden bei diesem dritten großen Personalabbau.

Was man jetzt schon sagen kann: Zu den Verlierern gehört auch die Mediengruppe. Das Schlimmste dürfte sein, dass ihre Zeitungen langsam ihre Besonderheit verlieren. Nach außen hin: das Lokale, das durch geschlossene und ausgedünnte Redaktionen seit Jahren gewächt wurde. Nach innen: den Zusammenhalt, das stolze Wir-Gefühl. Früher hatten die dort arbeitenden Kolleginnen und Kollegen breite Schultern und viel Selbstbewusstsein. Sie waren etwas Besonderes, konnten sich zumindest so fühlen. Die Zeitungen warfen dickes Geld ab, und die Verlagschefs ließen die Redaktionen machen. Heute fragt nicht nur das Wir-in-NRW-Blog besorgt: Was soll nur aus der WAZ werden?

Das besondere Wir-Gefühl "bei WAZens" - es ist so gut wie futsch! Weder eine tragfähige publizistische Linie noch wirtschaftliche Zukunftskonzepte sind erkennbar. Die Belegschaften: verunsichert, verärgert.

Das Schreiben der Gruppengeschäftsführung endet mit einem Satz, der für viele wie Hohn klingen könnte: "Mit dem neuen Namen „Funke“ betonen wir unsere Tradition als Familienunternehmen." Mit dem Gruppennamen Funke ziehen für viele hundert Gefeuerte und ihre Familien neue Traditionen ein.

***
Nachtrag: In einer Pressemitteilung kritisiert der DJV-Landesvorsitzende Helmut Dahlmann: "Es ist unfassbar, was in diesem Medienhaus geschieht. Statt in Inhalte und Anzeigenakquise zu investieren, scheint der Konzern nicht mehr an Mitarbeitern interessiert zu sein, die sich für das Produkt Tageszeitung engagieren.“ Die Geschäftsführer würden reichlich Krokodilstränen vergießen, die Mitarbeiter in ihrem Schreiben als die „Säulen eines Unternehmens“ bezeichnen: "Warum nur schlägt die WAZ-Axt dann auf diese Säulen ein? Sparen ist das einzige erkennbare Konzept dieses Konzerns, zur Zukunft des Unternehmens fallen nur Worthülsen.“

Kommentare:

  1. So ein Unfug. Vom Controlling-Standpunkt ist das ganz großartig. Journalisten - wer braucht die schon?!

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  2. Endlich mal 'ne Frau mit Durchblick! Journalisten verstehen sowieso nix vom Geschäft.. ;o) Genial auch, wie die Geschäftsführer die Thüringer überraschten. Erst per Intranet verkünden, man werde alle in die digitale Zukunft führen - und dann, zack, die 20 Onliner dort rauswerfen.Ü--ber--zeu--gend!!!

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  3. Bei der Braunschweiger Zeitung (ebenfalls WAZ-, äh, Funke-Mediengruppe) wurde die kleine Online-Redaktion schon Anfang des Jahres von vier auf zwei Redakteure verkleinert. Wirklich sinnvoll - und so etwas fällt einer Mediengruppe später umso mehr auf die Füße. Und dann steht die nächste Sparwelle an...

    Was im Fall der WR jetzt schon Realität ist, gilt wahrscheinlich bald für alle Zeitungen der Funke-Mediengruppe: Zeitungen ohne Mitarbeiter. Das wäre doch eine Medienrevolution, die die Einführung "dieses komischen Internets" glatt in den Schatten stellen würde! Und ich freue mich auf die Gesichter von Nienhaus und Konsorten, wie sie durch völlig verwaiste Redaktionsflure irren und mit Schrecken in den Augen fragen: "Und wer macht jetzt die morgige Ausgabe?" ;)

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  4. @Anonym
    Vergiss es. Gebäude kosten bloß, die kommen auch weg.

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  5. @vera
    Haus- und Immobilienverwaltung werden es schon richten. Allerdings: Der Konzern plant ja eine ganz neue Zentrale. Falls nicht mehr genug Indianer da sind, um die Raume zu füllen, müssen die Büros der Geschäftsleitung halt größer werden. Ach, was schreibe ich... die Managerzahl wird sicher rechtzeitig einfach entsprechend erhöht.

    @anonym
    Und nach außen hin predigen sie die digitale Wende...

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  6. Die könnten eigentlich auch endlich eine Sparkasse gründen, die den Namen verdient. Nach dem Motto, wer nix macht, macht nix falsch (Vorbild Merkel, sehr zu empfehlen).

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  7. Wahnsinnig schöne Farben und eine Landschaft zum Verlieben. Erinnert mich an ein Gemälde, ich glaub es heisst „Rainy Landscape“ von dem russischen Maler Kandansky http://WahooArt.com/A55A04/w.nsf/OPRA/BRUE-8EWL66, welches ich auf WahooArt.com gesehen habe. Dort können Sie sich Gemälde drucken lassen oder auch handmalen lassen. Wirklich ein grossartiger Platz wo Sie die gleiche Art von Ihrem Gemälde finden können.

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