Freitag, 15. März 2013

Lokal: weniger Zeitung, mehr Online

Innerhalb eines Jahrzehnts gingen in NRW zehn (von 50) Zeitungstitel verloren. Die Gesamtauflage aller Zeitungen sank von 4,3 auf 3 Millionen Exemplare. Die Zahl der Städte und Gemeinden, in denen nur noch eine Zeitung erscheint und damit die Berichterstattung und Meinungsbildung dominiert, verdreifachte sich - von 47 mit 1,4 Millionen Einwohnern auf 133 Städte mit 4,8 Millionen Menschen ohne Auswahl.

Während die Zeitungs- und Meinungsvielfalt also deutlich abnimmt, gibt es zunehmend mehr lokale Online-Angebote (überwiegend allerdings noch aus den Medienhäusern, also nicht zusätzlich).


Horst Röper
Das alles steht in einer Studie zum Lokaljournalismus in NRW, die Zeitungswissenschaftler Horst Röper vom Dortmunder Formatt-Institut für das Ministerium von NRW-Medienministerin Angelica Schwall-Düren angefertigt hat. Die Ministerin stellte sie im Medienausschuss des Landtages vor. Die Pressemitteilung gibt es hier - auch mit der Möglichkeit, sich die Studie herunterzuladen.

Ministerin Schwall-Düren ist froh über den Online-Zuwachs: „Im Sinne eines vielfältigen Medienangebots sind diese Portale eine willkommene Ergänzung.“ Wegen der noch schwachen Werbefinanzierung registriere die Studie aber "sowohl quantitativ als auch qualitativ Einschränkungen bei den lokaljournalistischen Online-Angeboten".


Immerhin: Die verbleibenden Lokalteile der Zeitungen wurden anscheinend dicker. Wohl auf Knochen der Journalisten, denn mehr Stellen wurden bekanntlich dafür nicht geschaffen. Röper urteilt so: „Überrascht hat uns, dass der Umfang der lokalen Berichterstattung der Zeitungen im Vergleich zu Untersuchungen aus den Jahren 1990 und 1993 trotz der derzeitigen Krise der Branche ausgeweitet worden ist. Ermöglicht wurden diese Umfangerweiterungen über Kooperationen zwischen den Lokalredaktionen.“ Und zwar inzwischen über die Verlagsgrenzen hinaus, "oft allerdings zu Lasten der Konkurrenz zwischen den einzelnen Blättern".

In seinem Fazit zum Bereich Lokales im Internet betont Röper, dass die lokaljournalistischen Angebote zwar stark zugenommen haben - aber das meiste stammt von bimedial arbeitenden Redaktionen von Zeitungen und Anzeigenblättern. Also aus klassischen Medien. Trotzdem gibt es Hoffnung für die lokaljournalistische Vielfalt: Die Zahl der zusätzlichen Anbieter wächst - trotz Finanzierungsproblemen und häufigem Mangel an journalistischem Grundwissen. Röper: "Die meisten davon sind sehr kleinräumig orientiert, so dass letztlich noch keine Flächendeckung erreicht ist."

Einem nicht untersuchten Bereich gibt Röper gute Chancen: dem lokalen Web-Radio.
 

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