Mittwoch, 27. März 2013

Leistung muss geschützt werden

Also, ich bin ja für ein Leistungsschutzrecht.“ Hannes hatte es wieder einmal geschafft: Uns fielen fast die Kaffeebecher aus der Hand. Leistungsschutzrecht! Diese nächste Lizenz zum Journalisten-ÜberdenTischziehen für die Verlagsmanager?

Keinem von uns gefiel dieses Gesetz, das Schwarz-Gelb auf den letzten Koalitionsdrücker im Bundestag beschlossen hatte. Nicht nur, weil die meisten Gutherren... ähm, Rendite-Jäger... ähm, Verlagsmanager sich schon mehr als genug Rechte herausnehmen. Bis hin zum unseligen Tendenzschutz, der staatlichen Erlaubnis zum Betriebsrat-Aushebeln und Finanzen-Verschweigen. Wir ballten instinktiv die Fäuste.

Es ging bei unseren Vorbehalten auch nicht nur um die überzeugenden Argumente der Netz-Lobbyisten. "Ey! Nicht am Netz packen! Nur der User hat in dieser digitalen Welt immer Recht! Wir müssen Euren Shit wohl mal stormen, bis ihr das checkt, was?" Klaus konnte das perfekt runterbeten. Wir kicherten.

Nein, uns trieb vor allem die Furcht, ja fast Gewissheit, zum x-ten Mal übers Ohr gehauen zu werden.
„Angemessen“, steht da im Gesetz, sind die Journalisten zu beteiligen, die wahren Urheber. „Dass ich nicht lache“, fuhr es aus Petra raus. „Wenn Du Dir die Vergütungsregeln anguckst, dann weißt Du, was solche Gesetze bei heutigen Verlagsmanagern wert sind.“ Nichts, formten unsere Münder tonlos.

Die schließen solche Vereinbarungen ab und pfeifen dann drauf, immer mehr halten sich nicht an Tarife“, klagte Manni. „Sie leihen sich billige Belegschaften zusammen, schließen Lokalredaktionen. Oder werfen gleich alle raus und kaufen die Inhalte irgendwo billig ein“, zählte Ingrid auf. „Und solche Leistungen willst Du schützen?“ Abscheu auf solche, Betonung auf Du.

Wir schauten Hannes eindringlich an. Der blieb ganz ruhig: „Ihr habt mich falsch verstanden. Leistung muss wieder geschützt werden – aber unsere.“ Hach, da waren wir uns wieder einig. Jetzt müssen wir nur noch Politiker finden, die Tarife allgemeinverbindlich machen, Leiharbeit auf Dauerjobs unattraktiv und getroffene Vereinbarungen erzwingbar. Ist bestimmt ganz leicht.

Kommentare:

  1. Würd ja schon reichen, wenn sie Journalismus als substantiell wichtig für die Demokratie anerkennten. Oh. Wait.

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    1. Endlich mal jemand, der meine Glossen so ernst nimmt, wie sie gemeint sind .. :o)

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