Dienstag, 26. Februar 2013

WR-Skandal: Was kann man tun...?

Plötzlich kommt einer und sagt: In zwei Wochen ist hier Schluss, der Job ist weg. Plötzlich gibt es keine Redaktion mehr, die Aufträge und Honorare vergeben kann. Was kann man tun, als Gewerkschaft, wenn auf einen Schlag 300 Journalistinnen und Journalisten ihre Existenzgrundlage verlieren?

Sicher. DJV und dju haben (mit viel Material und manpower) zwei große Demonstrationen in Dortmund organisiert. Die Öffentlichkeit informiert. Protest-Seiten im Internet aus dem Boden gestampft, der DJV hat Extrablätter drucken lassen. Es wurden Gespräche mit der WAZ-Gruppengeschäftsführung, u.a. über einen Härtefonds für Freie, geführt. Der wichtigste erste Schritt lag noch früher: Die Gewerkschaften boten Beratung an, der erste Info-Abend begann sieben Stunden nach der Verkündung der Schließung aller Redaktionen der Westfälischen Rundschau.

Das sollte von Anfang an signalisieren: Wir lassen Euch nicht allein. Aber: Gewerkschaften können keine Arbeitsplätze schaffen. Keine Redaktion mit Honoraretat herbeizaubern. Solidarität muss aber auch konkret werden, wenn sie auch nur etwas helfen soll. Ich bin froh, dass der Gesamtvorstand des DJV NRW gestern diese Vorschläge des Landesvorstands allesamt einstimmig beschlossen hat:

Der DJV NRW bietet seinen Mitgliedern, die als Freie (ohne Kündigungsfristen oder Abfindungen) praktisch sofort ohne Einnahmen da stehen, zinslose Darlehen an, um Notzeiten zu überbrücken. Das Geld kommt aus dem Soli-Fonds. Eine kleine Kommission aus gestandenen Gewerkschaftern, bewusst nicht der Vorstand, soll die Anträge bearbeiten.

Der DJV NRW berät nicht nur, er unterstützt Mitglieder auch bei Klagen – wenn es etwa darum geht, sich als Scheinselbständiger nachträglich einzuklagen, und sei es auch nur: in den Sozialplan. Oder wenn es um Nachzahlungen wegen zu geringer Honorare geht. Die Rechtsschutz-Kosten könnten explodieren – egal.

Der DJV NRW wird allen Festen und Freien der WR regelmäßig Nutzwert-Stammtische mit Fachleuten anbieten, bei denen es, etwa alle zwei Wochen, ab März, um Themen geht wie: Krisenbewältigung, Bewerbungsmappen, nach vorne gucken, Existenzgründung, Social Media. Und so weiter.

Alles nur Tropfen auf den heißen Stein. Aber wenigstens konkrete Hilfsangebote. Manchmal bin ich richtig stolz, in dieser Gewerkschaft zu sein.

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