Donnerstag, 24. Januar 2013

Unwürdig

Es sind nur ein paar Sekunden, in dem Beitrag des Medienmagazins ZAPP zum Kahlschlag bei der Westfälischen Rundschau, vor ein paar Tagen. Und in diesen Sekunden sagt Christian Nienhaus, Geschäftsführer der WAZ-Mediengruppe und Vorsitzender des Zeitungsverlegerverbandes NRW, folgende Sätze: "Ja natürlich, damit muss man auch Mitarbeiter überraschen. Das können Sie ja nicht vorher, schon gar nicht als Medienunternehmen, über fünf Stufen abstimmen, weil das wird ja dann sofort öffentlich."

Ein paar Sekunden nur. Aber sie jagen einem sowas wie Angst ein.

Habe ich das richtig verstanden? Arbeitgeber müssen ihren Mitarbeitern verschweigen, was sie planen? Müssen nicht einmal ihrer gesetzlichen Verpflichtung nachkommen, wenigstens den Betriebsrat rechtzeitig vorher zu informieren? Und "rechtzeitig" heißt eigentlich, dass die Belegschaftsvertreter den Plan beraten und Gegenvorschläge machen können, bevor eine Entscheidung verkündet wird.

Hier wurden Rechte verletzt, hier wurden Partnerschaft und Fürsorgepflicht ad absurdum geführt. Es geht um 300 Menschen und deren Familien. 300 Menschen, die sich für die Westfälische Rundschau in schwierigsten Zeiten krummlegten. Und es geht um eine Zeitung, die über sechs Jahrzehnte überlebte. Bis solche Manager wie Hombach, Braun, Ziegler oder eben Nienhaus kamen.

Nienhaus, der bei der Badischen Zeitung noch weitgehend partnerschaftlich mit Betriebsräten zusammenarbeitete. Nienhaus, der bei Springer dann nach und nach diese für beide Seiten (und vor allem für die Belegschaft) wichtige Fähigkeit verlor. Nienhaus, der bei der WAZ-Gruppe inzwischen Heimlichkeiten und überraschende Attacken vorzieht. Was ZAPP beweist.

"Wer glaubt denn künftig diesem Geschäftsführer und seinen Helfershelfern auch nur noch ein einziges Wort?" fragt jemand, der seinen Beitrag "Widerlich" nennt, im Blog Medienmoral.

Nicht nur das Aus für alle Mantel- und Lokalredaktionen einer Tageszeitung mit über 100.000 Exemplaren Auflage, nicht nur die künftig aus anderen (auch Konkurrenz-) Verlagen zusammengeklöppelte Mogel-WR (in Dortmund: "Westdeutsche Rund-Nachrichten"), nicht nur die Absicht, diese dann den Lesern möglichst unbemerkt unterzujubeln, sind negative Höhepunkte. Auch beim Umgang mit zu überraschenden Mitarbeitern und einzuhaltenden Gesetzen haben die Herren Nienhaus & Co traurige neue Management-Wege beschritten.

Unwürdig. Und dieser Vorwurf trifft auch die an Rendite interessierten Besitzer.

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