Sonntag, 23. Dezember 2012

Magie in der Mediaklinik


Sie wollen die Frankfurter Rundschau besuchen?“ Pfleger Mischa schaute bedröppelt durch seine runde Brille. „Die liegt noch im Intensivtrakt. Wir mussten sie aber schon auf den Flur schieben, gleich neben die Financial Times.“ Er raufte sich die Löckchen. „Es ist so voll hier in der Mediaklinik.“

Vor dem OP-Zentrum standen sie Schlange, gefühlt so lang wie von Aachen bis Bielefeld. Professor Printmann schleuste gerade die WAZ-Gruppe und die Rheinische Post an den Wartenden vorbei. „Reiche Privatpatienten“, flüsterte Mischa hinter vorgehaltener Hand.

Wir liefen durch dunkle Gänge. Überall Gestöhne und Wehklagen, vor allem in der Abteilung Lokales. „Hier wird immer mal wieder Personal amputiert, manchmal mitsamt dem Redaktiönchen“, erklärte Oberschwester Hildegard. Sie schaute mitleidig
auf die abgemagerten Gestalten. „Die kriegen kaum Besuch von Angehörigen. Wir geben nur noch Placebos, das aber ganz offensiv.“

Wir kamen in einen riesigen Saal. Voller Betten, stets zwei nebeneinander. „Hier päppeln wir die Online-Auftritte auf, am Tropf der Printler.“ Prediger riefen im Takt: „Saugt, ihr seid die Zukunft!“ Ein magischer Moment. Und siehe da, der „Prinz“ erhob sich und schwebte ins Netz. Alle winkten ihm ergriffen hinterher. Alles Gute!

Auch Pfleger Mischa hatte Tränen in den Augen. „Wieder einer entlassen.“ Stations-Pathologe Totholz zeigte auf die Überreste der Vergangenheit: „Das kann wohl weg.“ Und zwinkerte dabei unter seiner Augenklappe. Wir hatten ihn gar nicht heranhumpeln hören, mit seinem Holzbein.

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