Samstag, 15. Dezember 2012

Gestern, heute, morgen

Irgendwie wirkte Kollege Paul, der für die Nachrichten zuständig ist, heute nachdenklich. „Sagt mal“, fing er nach dem dritten Schluck Kaffee an, „wisst Ihr noch, ob heute heute ist oder gestern oder morgen?“ Keiner lachte.

„Wenn man die Agenturen liest und weiß, diese Meldung steht in Kürze auf zahllosen Seiten im Internet, auch auf denen der eigenen Zeitung. Und ist gleich im Radio zu hören, und abends im Fernsehen. Soll man sie dann überhaupt noch genauso abdrucken?“ Paul schaute in die Runde.

„Ich frage mich immer“, gab Kultur-Kollegin Petra zu,
„wenn ich die Internetseiten der anderen Zeitungen anschaue: Steht das jetzt alles schon gedruckt in deren Blatt? War es gestern drin, heute, gar nicht oder erst morgen?“

Wir nippten weiter am Kaffee. Stimmt, irgendwie verliert man im multimedialen Marathon den Überblick. Der Polizei-Kollege räusperte sich: „Und die Kollegen, die selbst recherchierte Artikel für morgen schon heute ins Internet stellen sollen – machen die sich nicht selbst Konkurrenz und ihre Geschichten kaputt?“

Den Kaffee hatten wir auf. „Ach“, murmelte Paul, und der angeborene Optimismus der journalistischen Tausendsassas setzte sich mal wieder durch, „das schaffen wir alles auch noch irgendwie.“ Heute, morgen, gestern. Oder gar nicht.

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